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Samstag, 23. April 2011
(Sächsische Zeitung)

PANSCHWITZ-KUCKAU/ PANÈICY-KUKOW

Eine Kenia-Ausstellung im Teresa-Haus

Von Andreas Kirschke

Auch die Popgruppe Silbermond – hier Frontfrau Stefanie Kloß – unterstützt das Kenia-Projekt durch Benefizerlöse in Schmochtitz.

Josef war 15 und schon zwei Jahre nicht mehr in der Schule, weil das Geld fehlte. Als Vollwaise wuchs er im kenianischen Dorf Shanzu nördlich von Mombasa bei Verwandten auf. Dann halfen Karin und Bernd Roth aus Schmeckwitz mit ihre Initiative „Hilfe für Kenia“. „Damals, 1995, sicherten wir das Schulgeld ab“, erinnern sie sich. „Josef konnte die 8. Klasse nachholen. Jetzt ist er Taxifahrer.“

Auch dies spiegelt die Ausstellung „Sawubona, Afrika – Ich sehe dich, Afrika“ wider. Zusammen mit dem Maria-Martha-Heim zeigt der Förderverein „Kenia Kinder Bildung und Wissen“ im Teresahaus des Klosters St. Marienstern Werke der Heimbewohner, Fotos zum Hilfsprojekt „Kinder in Kenia“ und kenianische Volkskunst. „Die Behinderten aus der AG Malen und Zeichnen haben Erstaunliches zu Papier gebracht“, sagt Karin Roth. Gnus, Löwen, Affen und weitere Motive entstanden. Kunstmalerin Christiane Latendorf aus Dresden hatte die künstlerische Leitung. Die Ausstellung informiert auch über konkrete Hilfe für Kenia.

Heim als Partner gewonnen

„Seit 1999 sind wir ins Projekt Kenia-Hilfe eingebunden“, sagt Heimleiter Bernhard Höhn. Das Maria-Martha-Heim und die anderen Einrichtungen des Klosters haben für Mwanaidi Seif, Felix Ougo und Maureen Ndinda die Patenschaft übernommen. Diese drei Jugendlichen besuchen die Mother Mary Primary School, die von den Schwestern des katholischen Ordens „Mother Mary in God“ geleitet wird. Mit dem Jahresbeitrag der Kloster-Einrichtungen können sich die drei Schulgeld, Schulmaterial, Bücher, Schuhe, Schuluniform, Sportsachen und Unterbringung im Internat leisten. „Noch 1995 musste ein Kind in Kenia rund 100 Euro Schulgeld für ein Jahr aufbringen“, sagt Karin Roth. „Heute sind es 200 Euro. Darin inbegriffen sind jedoch ein warmes Mittagessen, Schuluniform, Lehrmaterial und der Transport in die Schule.“

Die Kenia-Hilfe begann 1993. Damals erfüllte sich Karin Roth, von Beruf Stomatologie-Schwester, einen Lebenstraum. Einmal wollte sie die Serengeti sehen. Deren Tiervielfalt und landschaftliche Einzigartigkeit faszinierten sie. Ebenso die Offenheit, Gastfreundschaft und Zuversicht der Kenianer.

„Wer einmal in Afrika war, den lässt dieser Kontinent nie mehr los“, sagt Bernd Roth, der in Schmeckwitz ein Planungs- und Architektenbüro hat. Am Anfang schockierte ihn die Armut in Mombasa. Er wollte am liebsten nie wieder nach Kenia. Doch seine Frau überredete ihn. 1995 flogen beide erneut dorthin. Diesmal nahmen sie sich mehr Zeit. Sie fragten gezielt nach dem Schulwesen. „Zuerst gerieten wir in eine Internationale Schule. Die hatten beste Bedingungen“, lacht Bernd Roth. Unweit davon, in einer Dorfschule in Shanzu, wurden sie fündig. Hier wurde ihre Hilfe wirklich und dringend gebraucht. Inzwischen können sie bis zu 50 Schüler in der Dorfschule Shanzu, in der katholischen Schule der Marienschwestern in Mtwapa und in der staatlichen Schule „Primary school“ in Kinondo unterstützen. „Wichtig ist uns, nicht nur die schulische Ausbildung zu fördern. Es geht auch um die weiterführende Ausbildung, um einen Beruf zu erlernen“, sagt Bernd Roth. „Die Jugendlichen sollen so bald wie möglich auf eigenen Füßen stehen.“

Zwei Mädchen werden Krankenschwestern. Ein Jugendlicher ist fertig ausgebildeter Koch. Eine junge Frau will Journalistin werden, eine andere absolviert gerade eine Bank-Ausbildung und ein junger Mann die Ausbildung zum Elektroingenieur. Die Hilfe seit 1995 trägt Früchte. Und das dank 60 privater Sponsoren. Die Unterstützer kommen aus der Lausitz, aus Dresden, Potsdam, Hannover, Hamburg und sogar aus den Niederlanden. „Dank der Initiative Genial sozial konnten wir 2010 in Kinondo für die dortige staatliche Schule einen Wasser- und Strom-Anschluss realisieren“, berichtet Karin Roth. „Es entstehen jetzt auch ein Schulgarten und zwei unterirdische Regenwasser-Sammler. Das neue geräumige Kinderhaus ist bezugsfertig. Bislang waren 120 Kinder in einem Häuschen von fünf mal sechs Metern untergebracht….“

Auch Silbermond hilft mit

Bildung, sagt sie, ist in Kenia ein hohes Gut. Rund 20 Prozent der Keniaer sind Analphabeten. Die Einschulungsquote liegt mit 75 Prozent zwar hoch. Doch meist reicht die Schulbildung nur bis 5. Klasse. Danach müssen die Kinder oft in ihren Familien hart arbeiten.

Die Schmeckwitzerin und ihr Mann haben seit fünf Jahren in der Band Silbermond einen starken Partner. Ein Teil des Erlöses von deren jährlichem Benefizkonzert im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz geht an den Förderverein „Kenia Kinder Bildung und Wissen“, in dem sich Karin und Bernd Roth engagieren.

Die Ausstellung „Sawubona, Afrika – Ich sehe Dich, Afrika“ ist bis 30. September im Teresahaus zu sehen. Öffnungszeiten Mo. bis Fr. 9 bis 16 Uhr, Sa./So. 9 bis 15 Uhr. Anmeldungen für Schulklassen bitte unter 035796 9700.

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